Geschichte

100 Jahre im Dienst der Zahnheilkunde

Am 4. Dezember 1897 beantragte Frau Joh. M. Brinkmann beim Stadtmagistrat von Oldenburg, sich auf dem Gebiete der Zahntechnik in Oldenburg Langestr. 68 (Hotel Fischer) selb-ständig zu betätigen. Hierfür erhielt sie vom Magistrat der Stadt Oldenburg eine Bescheinigung ausgestellt.
Für die Gründung einer Praxis war sicher auch die Einführung der Sozialversicherung durch Bismarck vom 21. Juni 1883 von besonderer Bedeutung.
Auch im Herzogtum Oldenburg muss zu dieser Zeit bereits eine Gebührenordnung bestanden haben: denn das Staatsministerium erlässt am 17. August 1900 eine Gebührenordnung und setzt die Ministerial-Bekanntmachungen vom 31. Jan. 1874, 22. Dez. 1884 und 17. Jan. 1885 außer Kraft. Damit war der Grundstein für eine Gebührenordnung gelegt und somit die Aussichten einer behandelnden Tätigkeit amtlich honorieren zu können gegeben.

Weitere Beweise zur Eröffnung der Praxis lassen sich aus zwei Rechnungen der Fa. Gebrüder Gesell, 27 Oranienburger Str. Berlin, N. herleiten, die an Herrn Zahntechniker Brinkmann in Nordenham gerichtet waren. U.a. eine Rechnung datiert vom 15. Nov. 1897 über die Lieferung eines Operationsstuhles mit grünem Plüschbezug für 150 Mark und eine zweite Rechnung vom 16. Nov. 1897 über drei Extraktionszangen je 6,50. Aus der zweiten Rechnung geht hervor, für wen die gelieferte Ware bestimmt war. Dort heißt es: "Ihrer Frau Gemahlin wünschen wir zur Errichtung der Praxis Glück und Erfolg."

Johanne Brinkmann war sicher zu dieser Zeit - zumindest in Oldenburg - die erste Frau, die sich auf diesem Gebiet betätigte.
In diesem Zusammenhang ist eine Anzeige aus den "Oldenburg. Anzeigen vom 17. Juni 1898 erwähnenswert, in der Frau Brinkmann auf ihr Zahnatelier aufmerksam macht. Aus der gleichen Ausgabe der Oldenburg. Anzeigen stammt ein Inserat über eine Zahnpasta (Odontine) zur Zahn- und Mundpflege.
Ludwig Brinkmann muss demnach bereits vor Eröffnung der Praxis in Oldenburg in Nordenham tätig gewesen sein. Wir wissen nicht genau den Zeitpunkt. Ab 18. Okt. 1889 ist er auch in laut Bescheinigung vom Stadtmagistrat in Oldenburg tätig und hat damit wohl seine Tätigkeit in Nordenham aufgegeben. Aus den Abrechnungen im dem Notizkalender geht hervor, dass er auch zeitweise in Westerstede gearbeitet hat.
Bekannt ist von Aussagen seines Sohnes Adolf Brinkmann an seine Nachfolger, dass der Groß- und Urgroßvater sich im Zuge von Nordenham nach Oldenburg - wo also der Wohnsitz schon zu dieser Zeit gewesen sein muss - nützlich gemacht hat, und Kautschukprothesen während der Zugfahrt bearbeitet hat. Seinerzeit wurden die vulkanisierten Prothesen aus Kautschuk vor der Politur mit Sticheln bearbeitet. Hiervon zeugen zwei Dental-Notizkalender der Fa. GEO. POULSON aus Hamburg (mit Niederlassungen in Berlin, Prag, Copenhagen und Warschau) aus den Jahren 1898 und 1900. In diesen Kalendern wurden sowohl die Leistungen notiert, als auch die eingegangene Zahlung festgehalten. Und am Ende des Jahres die Gesamtaufstellung der Einnahmen festgehalten. Diese ergaben für die Jahre 1898 einen Betrag von 6264.50, 1899 - 6878.—, 1900 - 5994.— und 1901 - 5926.50.

Vom 25. bis 29. Juni 1903 fand die Generalversammlung der Zahnkünstler im Deutschen Reiche in Halle a. S. statt. Hierfür liegt eine Erinnerungspostkarte an Dentist Ludwig Brinkmann vor.
Um 1900 wurde die Praxis in das Haus der Weinhandlung Becker (neben der Hofapotheke) Langestr. verlegt.
Im Jahre 1912 befand sich die Praxis im Haus Schöneck und das Praxislabor im Hause Haarenstr. 33. Im Jahre 1920 erfolgte dann die endgültige Verlegung der Praxis zum Theaterwall. Mit der Praxisverlegung zum Theaterwall 14 trat Adolf Brinkmann in die Praxis ein.
Im Jahre 1920 wurde der Verband der Dentisten im Deutschen Reiche gegründet, und Ludwig Brinkmann wurde im gleichen Jahr Vorsitzender und Adolf Brinkmann Schriftführer des Bezirksverbandes Oldenburg, der sich im gleichen Jahr eine Satzung gab mit entsprechenden Ausführungsbestimmungen für die Ausbildung zu diesem Beruf.
Diese Satzung und die Ausführungsbestimmungen zur Prüfung der Zahntechniker zum staatl. gepr. Dentisten wurden vom Staatsministerium im August 1921 abgesegnet.
Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Postkarte vom 37. Kongreß der Dentisten Deutschlands vom 25.- 29. Mai 1921. Somit müsste dieser Berufszweig schon lange bestanden haben.

Sowohl Ludwig als auch Adolf Brinkmann legten dann im Oktober 1921 und 1923 die Prüfung als staatlich anerkannter Dentist in Berlin ab.
1924 verstarb Ludwig Brinkmann, Ehrenvorsitzender des Dentistenverbandes des Freistaates Oldenburg an einer Lungenentzündung mit 64 Jahren.
Den 1. und auch den 2. Weltkrieg hat die Praxis trotz der damit verbundenen üblichen Einschränkungen gut überstanden.
1952 erfolgte die Fusion zwischen den Berufsständen der Zahnärzte und Dentisten.
Die Söhne von Adolf Brinkmann, Horst Brinkmann noch aus der dentistischen Ausbildung und Egon Brinkmann aus der zahnärztlichen Ausbildung folgten den Vorgängern in die väterliche Praxis.
Sie traten beide in den Jahren 1951 und 1952 in die Praxis ein und und führten gemeinsam die Praxis mit ihrem Vater. Horst Brinkmann machte sich 1958 in Hude selbständig und übernahm später die Praxis von Harry Helmich, einem Vetter von Adolf Brinkmann. Egon Brinkmann führte von diesem Zeitpunkt mit seinem Vater die Praxis gemeinsam.

1972 konnte die Praxis ihr 75jähriges Jubiläum und gleichzeitig den 80. Geburtstag von Adolf Brinkmann feiern, der aufgrund seiner über 50jährigen Tätigkeit sowohl als Zahnarzt als auch als Standespolitiker durch die Ehrennadel der Zahnärzte ausgezeichnet wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt war Adolf Brinkmann über 50 Jahre tätig und gemeinsam mit seinem Sohn Egon fast 20 Jahre. Im Jahre 1976 verstarb Adolf Brinkmann 84jährig.
Sein Sohn Egon Brinkmann nahm ähnliche Positionen wie seine Vorgänger ein und war zwei Legislaturperioden Mitglied der Kammerversammlung und der Vertreterversammlung in Niedersachsen.

Egon Brinkmann widmete sich schon 1969 einem anfangs umstrittenen Gebiet der Einpflanzung von künstlichen Zähnen und gehört zu den Pionieren auf diesem Gebiet. In über 70 Kursen und Seminaren hat er seine Kollegen und Hochschullehrer mit der ständig fortschreitenden Entwicklung der zahnärztlichen Implantologie vertraut gemacht. Von ihm stammen mehrere Standardwerke der zahnärztlichen Implantologie und seine Verdienste wurden gewürdigt durch Ehrenmitgliedschaften in nationalen und internationalen Verbänden.
Durch den Bundespräsidenten wurde ihm die Erlaubnis erteilt, den von einer ausländischen Universität verliehenen Titel eines Ehrenprofessors tragen zu dürfen.

1988 trat nun die 4. Generation in die Praxis ein durch den Sohn Detlev Brinkmann, Urenkel der Gründerin Joh. Brinkmann. Er führt nunmehr die Praxis seit vielen Jahren und hat die Ambitionen seines Vaters zur zahnärztlichen Implantologie übernommen. Auch die Tochter Anke Brinkmann ist seit 1996 in Oldenburg als niedergelassene Zahnärztin tätig.

Im Jahre 1995 verstarb Horst Brinkmann, dem wir zu danken haben für die Mühe, eine Chronik "Vom Zahnkünstler zum Zahnarzt" verfasst zu haben, aus der wir in reichem Maße schöpfen konnten, und ohne seine intensiven Bemühungen wären die chronologischen Zusammenhänge nicht nachzuvollziehen gewesen

Vier Generationen eines Berufsstandes und in ein und demselben Niederlassungsort und demselben Haus, in dem auch die Vorväter schon tätig waren, dürfte ein besonderes Ereignis sein.

Egon Brinkmann

Presseartikel   NWZ 1997     BDIZ 1998    NWZ 2003   NWZ 2007